Samstag, 8. April 2017

[INTERVIEW] Im Interview Jessica Guaia



© Bild: Jessica Guaia
Name: Jessica Guaia
Geburtstag/Ort: 30.07.1988/
Schwäbisch Gmünd
Wohnort: Hildesheim
Familienstand: verliebt
Kinder: keine
Genre: Belletristik

Ich mag: Umlaute, Pfützen, schwarzen Humor, einen Vogel haben

Ich mag nicht: Ellbogen, Ungerechtigkeit, Schubladen, Delfine

Bisherige Veröffentlichungen:

           

1.) Stell dich doch bitte kurz meinen Lesern vor.
Ich bin Jessica Guaia, mein Vater ist Sizilianer, meine Mutter Kroatin und ich dann wohl Schwäbin. Ich habe Kulturwissenschaften, Bildende Kunst und Literarisches Schreiben in Hildesheim und Thessaloniki studiert und „Wie ich in einer schwäbischen Trattoria aufwuchs und trotzdem überlebte“ ist mein Debüt.

2.) Wie bist Du zum Schreiben gekommen und gab/gibt es noch andere Berufe, die ausgeübt werden/wurden?
Als ich neun Jahre alt war, sagte ich zu meinen Eltern: Ich werde Schriftstellerin. Vielleicht liegt es an der Büchersucht meiner Mutter oder an den Erzählungen meines Vaters, jedenfalls schrieb ich. Märchen, Beobachtungen, Tagebuch. Später Kurzgeschichten und mit sechzehn oder früher den ersten Roman. Aber der war schrecklich. Ich hatte weiterhin diesen Drang, dieses innere Bedürfnis etwas zu sagen, zu verstehen, mich einfach mit Geschichten zu beschäftigen. Weil ich Geschichten liebe. Es gab auch andere Berufe und Nebenjobs: Ich trug Zeitung aus, bevor ich mit dreizehn Jahren für die Jugendredaktion schrieb, so kam ich zum Journalismus. Außerdem arbeitete ich als Kellnerin, Übersetzerin und Teamleiterin auf Messen und Events. Jetzt: Endlich schreiben.

© Jessica Guaia; Schreibtisch 
3.) Wenn Du am Schreiben bist, wo tust Du es am liebsten und wie sieht Dein Arbeitsplatz aus?
Ich schreibe gerne in Cafés oder Kneipen. Im Sommer auch auf dem Balkon. Je weiter ich im
Schreibprozess bin, umso notwendiger wird es für mich am Schreibtisch in Ruhe zu sitzen. Dort kann ich mich besser konzentrieren.

4.) Wenn Du gerade nicht an einem Buch schreibst, was machst Du gerne in Deiner Freizeit?
Kochen (gerne), Essen (noch lieber), mit Freunden (am liebsten). Ansonsten natürlich Lesen, Malen, Schwimmen, Schreibmaschinen reparieren und dolce far niente.

5.) Wenn Du selbst als Leserin unterwegs bist, welche Bücher liest Du am liebsten und was eher gar nicht?
Literarische Romane, die auch unterhalten. Gabriel García Márquez, Tilmann Rammstedt, Alina Bronsky. Ich lese ungern Erotikwestern. Aber mal im Ernst, wenn ein Buch gut gemacht ist, ist mir das Genre beinah egal.

6.) Hast Du einen Lieblingsfilm oder ein Film der Dir aus deiner Kindheit gerade spontan einfällt, der gerne gesehen wurde und weshalb?
Die fabelhafte Welt der Amélie, weil er anders ist, kreativ, warmherzig und bunt (und erst der Soundtrack!)

7.) Wenn Du ein Tier wärst, welches wäre es und weshalb?
Ein Elefant. Weil ich auch 250.000 Kilokalorien am Tag zu mir nehme, eine dicke Haut habe und gerne schnorchle.

8.) Gibt es ein Sprichwort, welches Dich durch Dein Leben begleitet?
Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Granita daraus.

10.) Gibt es derzeit neue Projekte? Worauf dürfen sich Deine Leser freuen?
Ich schreibe an einem Roman über vier starke Frauen, die in einem kroatischen Haus zusammenkommen.

11.) Ein besonderes Ereignis in Deinem Leben?
Die Geburt meiner Schwester.

© Jessica Guaia; Krimiwand
12.) Eine peinliche Situation, über die Du heute lachen kannst?
Viele – man nennt mich Jessica Boom. Am ersten Uni-Tag hielt der Präsident eine Rede, es war fast
still, obwohl 1200 Leute im Audimax waren. Ich stolperte über einen Rucksack und fiel die Treppen herunter, dem Präsidenten vor die Füße.

13.) In welcher Stadt außer Deinem Geburts- und Wohnort, könntest Du Dir vorstellen zu leben und weshalb?
Mich zieht es ans Wasser. Ost- oder Nordsee, Italien oder Griechenland am Meer, die Stadt wäre mir egal, vielleicht mit mehr als hundert Einwohnern. San Francisco kann ich mir auch vorstellen, wegen des Flairs, des Wetters. der Kreativen.

14.) Erzähle uns doch etwas über Dein aktuelles Buch. Wie ist die Idee entstanden? Wie sahen die Recherchen dazu aus?
Ein italienisches Paar verwirklicht in den Achtzigerjahren seinen Traum und eröffnet eine Trattoria in der süddeutschen Provinz. Das wird das zu Hause ihrer Tochter Jessica Spada, die dort laufen, lieben und kochen lernt und der anderen skurrilen Figuren: Thekenleichen und Aminutten, Schwaben und Italiener, glückliche und unglückliche Menschen. Doch die Zeiten verändern sich - kann die Trattoria diesen standhalten?

Der Stoff hat mich nicht losgelassen. Acht Jahre lang. Immer wieder hat mich das Restaurant meiner Kindheit beschäftigt und ich wollte es wieder aufleben lassen – mit all seinen Farben und der Tragikomik. Aber schnell merkte ich, dass die Fabulierlust überhand nahm. So wechselten sich Erinnerung, Recherche und Fantasie ab. Ich fragte meine Eltern, wie es damals war, blätterte in Fotoalben (Coverbild!), interviewte frühere Angestellte und Bewohner der Stadt. Da die Geschichte zu Zeiten des Kalten Krieges einsetzt und im Restaurant viele Amerikaner zugegen waren, las ich viel und interviewte Soldaten. Lieblingsteil meiner Recherche: In Kneipen und Restaurants abhängen.

© Jessica Guaia; Notizbücher
15.) Wie lange schreibst Du durchschnittlich an einem Roman? Und wie sieht der Werdegang von der Entstehung der Idee bis zur Veröffentlichung aus?
Bei diesem waren es drei Jahre. Das erste Mal tauchte die Idee auf, als ich sechzehn Jahre alt war und
unter dem Sofa die „Familienchronik“ wiederfand, ein Notizbuch, in dem ich lustige Zitate von Familienmitgliedern, Rezpte etc. vermerkte. Doch erst zehn Jahre später, 2012, hatte ich den Glauben, die Erfahrung und die Ausdauer drei Jahre an dieser Idee zu arbeiten. Außerdem hatte ich kompetente Menschen an meiner Seite – mein Mentor, auch Schriftsteller, meine Agentin und meine Lektorin. Bis zur Veröffentlichung verging noch einmal ein Jahr. Der Werdegang war ziemlich chaotisch: Ich sammelte, sammelte, schrieb wie eine Wahnsinnige, 1000 Seiten und crashte dann alles. Dann erstellte ich einen Handlungsbogen, Zeitstrahl und Verbindungen an meiner Krimiwand, wie ich sie nenne.

16.) Momentan wird das Thema Selfpublishing sehr heiß diskutiert, was hältst Du davon? Wenn Du selber dazu gehörst, weshalb hast Du Dich dazu entschieden?
Ich finde es gut, wenn sich jemand nicht entmutigen lässt und die Dinge selbst in die Hand nimmt – Chapeau! Ich werde jedoch öfter bei Verlagen fündig und schätze ihre Arbeit sehr.

17.) Wenn Du die Möglichkeit hättest mit einer verstorbenen Person einen Abend zu verbringen, wen würdest Du gerne treffen und was würdet ihr unternehmen?
Natürlich wäre es Wahnsinn einmal Frank Sinatra, Frida Kahlo oder Simone de Beauvoir zu treffen. Hätte ich aber nur diese eine Chance würde ich den Abend mit meiner Großmutter verbringen. Wir würden uns wahrscheinlich bei einem Schnaps vom Shoppen ausruhen und Klopapier klauen.

18.) Ein paar letzte Worte an Deine Leser:
Willkommen in der Welt der Trattoria! Ich bin froh, sie mit euch teilen zu dürfen


© Cover: Penguin Verlag

(Textquelle: amazon.de)

Schwäbisch Gmünd, 1987. In der Trattoria »Zum Krug« rufen die Gäste nach Weizenbier und Calzone. Tiziana, die Wirtin, ist im siebten Monat schwanger. Da passiert es: Papa Renzo kann gerade noch eine Tischdecke unter seine Frau schieben, und schon ist Jessica auf der Welt. Kaum geboren, gehört sie zur Einrichtung, und eine Zufallsgemeinschaft aus gemütlich-dicken Hausfrauen, Thekenleichen und warmherzigen Ami-Nutten wird ihre große Familie. Sie alle sind dabei, als Jessica laufen lernt, den ersten Kuss bekommt, wie sie Pesto mit Sahne kocht, so wie es die Deutschen mögen – und wie sie immer wieder darüber staunt, welch irrwitzige Wendungen das Glück im Leben so nimmt.

  


Ich bedanke mich bei der lieben Jessica Guaia für das ausführliche Interview, was mir sehr viel Spaß bereitet hat. Herzlichen Dank! 


© 2017 Katis-Buecherwelt
© Cover: Penguin Verlag ;
© Gestaltung & Fragen: Katis-Buecherwelt 
©Text-Antworten: Jessica Guaia
Grafikennutzung: pixabay.de;