Samstag, 26. August 2017

[INTERVIEW] Im Interview mit Andreas Gruber




© Bild: Fotowerk Aichner
Name: Andreas Gruber
Geburtort: Wien
Wohnort: Grillenberg in Niederösterreich
Homepage: www.agruber.com
Facebook: 
www.facebook.com/Gruberthriller
Familienstand: verheiratet
Kinder: 2 Söhne
Genre: Thriller

Ich mag: französische Comics, Heavy Metal, Horrorfilme, Science-Fiction-Romane, Pizza, Shushi, Kebab, Aquarelle, Badeseen, Monk, Pastewka

Ich mag nicht: Arroganz, Hochmut, Neid, Eifersucht, Geiz, Karotten, Volksmusik


Bisherige Veröffentlichungen: 


Maarten S. Sneijder Reihe:

   

Walter Pulaski Reihe:

 

Peter Hogart Reihe:

 

Romane:

  

Storykollektionen:

   


Andreas, stell dich doch bitte kurz meinen Lesern vor.Genau eine Woche nach Erscheinen von „Todesreigen“ habe ich meinen 49. Geburtstag, bin also ein 68er Jahrgang und mit TV-Serien wie Mike Hammer, Magnum, Raumschiff Enterprise, Mit Schirm Charme und Melone aufgewachsen, mit MAD-Comics, YPS-Heften, John Sinclair Heftromanen, Gespenster-Krimis, und habe in den Sommerferien die Tarzan- und Edgar Wallace s/w-Filme im TV gesehen, Godzilla im Kino und heimlich auf VHS-Kassetten die Zombie-Filme.

Ich hatte also – wenn man so will – eine kulturell sehr gebildete Kindheit.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen und gab/gibt es noch andere Berufe, die ausgeübt werden/wurden?
Ich wollte schon immer Geschichten erfinden und Bücher schreiben, und habe meine ersten Gehversuche als Krimi-Autor mit neun Jahren gestartet. „Moneten, Bier und heiße Bräute“ hieß der Krimi, aber nach drei Seiten war das Buch zu Ende, weil alle Figuren tot waren. Schließlich habe ich nach dem Studium an der Wirtschafts-Uni Wien 20 Jahre im Controlling verschiedenster Konzerne gearbeitet und mich vor drei Jahren, nachdem mein elftes Buch erschienen war, als Vollzeit-Autor selbstständig gemacht.

© Bild: Andreas Gruber; Arbeiten im Wintergarten
Wenn Du am Schreiben bist, wo tust Du es am liebsten und wie sieht Dein Arbeitsplatz aus?
Ich schreibe überall: Im Sommer im Freibad oder am See im Restaurant, im Winter in der Kantine
einer Sauna, Herbst und Frühling entweder in meinem Schreibbüro im ersten Stock im Haus oder im Wintergarten im Erdgeschoss. Ich schreibe auch regelmäßig im Zug, wenn ich zu Lesereisen fahre, oder im Hotelzimmer und habe auch schon im Flugzeug geschrieben, bei einem Nachtflug, während alle schliefen.

Mein Arbeitsplatz ist sehr aufgeräumt – ich bin vom Sternzeichen Jungfrau. Und Kaffee und Schokis sind immer in Reichweite.

Wenn Du gerade nicht an einem Buch schreibst, was machst Du in Deiner Freizeit?
Katzen füttern, Rasen mähen, am Heimtrainer radeln, mit dem mp3-Player und Hörbüchern im Wald walken, ins Kino gehen, mit Freunden Poker oder „Die Siedler von Catan“ spielen, und viel, viel lesen. Im Moment gerade „Spartan Gold“ von Clive Cussler.

Wenn Du selbst als Leser unterwegs bist, welche Bücher liest Du am liebsten und was eher gar nicht?
Liebesromane mag ich gar nicht, und am liebsten lese ich Thriller von David Morrell, Dennis Lehane, Nelson DeMille, Shaun Hutson, Preston & Child, Dean Koontz, Joe R. Lansdale.

Hast Du einen Lieblingsfilm oder ein Film der Dir aus deiner Kindheit gerade spontan einfällt, der gerne gesehen wurde und weshalb?
Am liebsten mag ich „Eine Leiche zum Dessert“, eine geniale Krimi-Komödie, in der sich Hercule Poirot, Miss Marple, Sam Spade, Charlie Chan und andere große Privatdetektive in einem abseits gelegenen Schloss treffen, um gemeinsam einen Mord aufzuklären. Einmal im Jahr sehe ich diesen Film, meistens im Urlaub. Zuletzt in einem gemieteten Haus in der Toskana, während draußen ein Gewitter tobte.

Wenn Du ein Tier wärst, welches wäre es und weshalb?
Eine Katze im Hause Gruber, denn dann würde ich den ganzen Tag verwöhnt werden.

Hast Du ein Idol? Wenn ja, wer und weshalb?
Idol habe ich keines. Ich finde, niemand sollte ein Idol haben, sondern jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Aber um dennoch die Frage zu beantworten: Ich verehre sehr den britischen Singer & Songwriter Paul Roland und die Autoren Ernest Hemingway, Kurt Vonnegut, Charles Bukowski und den leider im Jahr 2000 verstorbenen deutschen Schriftsteller Nikolai von Michalewsky.

Oh ja, vergiss, was ich vorher gesagt habe, Nikolai von Michalewsky ist mein Idol!

Gibt es ein Sprichwort, welches Dich durch Dein Leben begleitet?
„Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch“ von Erich Kästner. Ich bin zwar bald 49, fühle mich im Geiste aber wie ein Zwölfjähriger, der nie erwachsen geworden ist.

Gibt es ein Lieblingsreiseziel, wenn ja welches und warum gerade dieses?
Meine Frau und ich lieben Thailand, da waren wir schon dreimal. Die Seen in Kärnten und die Toskana.

10 Dinge, die Du in Deinem Leben noch erreichen oder gerne tun möchtest!
Ich möchte bloß zwei Sachen in meinem Leben machen, wenn ich Zeit habe, die mir sehr wichtig sind, und zwar noch einmal die 32-bändige Serie „Mark Brandis“ von Nikolai von Michalewsky lesen und noch einmal die sechs Staffeln der TV-Serie LOST sehen.

Der Rest kommt, wie es kommt …

Ein besonderes Ereignis in Deinem Leben?
Ich bin 2016 nach der Frankfurter Buchmesse nach Wien heimgeflogen, ging zum meinem Platz und da saß eine junge Dame neben mir, die „Todesmärchen“ von mir las.

Als sie das Buch zu Ende gelesen und es in ihre Tasche gesteckt hatte, begann ich ein Gespräch mit ihr.

Ich: „Wie hat Ihnen dieses Buch gefallen?“

Sie: „Ja, war ganz gut.“

Ich: „Ich frage deshalb, weil ich nämlich der Autor dieses Buches bin.“

Sie: „Oh, wirklich?“

Ich: „Ja.“

Sie schaut mich an, dann beugt sie sich nach vorn und kramt in ihrer Tasche. Ich denke, sie holt das Buch heraus, um meine Aussage an Hand des Autorenfotos zu überprüfen, und mich eventuell um ein Autogramm zu bitten. Doch sie holt nur ihr Handy heraus und spielt eine Stunde lang ein Spiel.

Wir haben während des Fluges nichts mehr miteinander gesprochen – und mir war es dann sogar peinlich, weil sie garantiert dachte, das wäre ein blöder Anmache-Spruch von mir gewesen.

© Bild: Fotowerk Aichner
Eine peinliche Situation, worüber Du heute lachen kannst?
Bei der Buchpräsentation meines Thrillers „Rachesommer“ hat mir die Filialleiterin angeboten, die Lesung abzusagen, weil nur eine Person erschienen ist, ein alter Mann. Doch ich habe für diesen einen Mann die beste Lesung meines Lebens gehalten. Mit Zugabe und anschließendem „Publikumsgespräch“. Als die Filialleiterin ihm anschließend mein Buch verkaufen wollte mit den Worten: „Der Autor signiert es Ihnen auch“, hat er geantwortet: „Nein danke, jetzt habe ich es eh schon gehört.“

Wie sich herausstellte hat er auf seine Frau gewartet, die nebenan einen Frisör-Termin hatte.

Andreas, erzähle uns doch etwas über Dein aktuelles Buch. Wie ist die Idee entstanden?
Am Ende jedes Sneijder-Romans ist im letzten Absatz ein Hinweis enthalten, wie es im nächsten Band weitergehen wird. Es ist so eine Art Running Cliffhanger. Nachdem Sneijder also am Ende von „Todesmärchen“ etwas Schreckliches tut, das ich jetzt nicht spoilern kann, ist er zu Beginn von „Todesreigen“, das ein Dreivierteljahr später spielt, vom Dienst suspendiert. Diese Vorgabe gab es also bereits.

Seine ehemalige Kollegin Sabine Nemez muss allein ermitteln, und zwar in einer Reiher merkwürdiger Selbstmorde unter Kripo-Kollegen. Sie bittet Sneijder um Hilfe, der lehnt jedoch ab, mit der dringenden Bitte, dass sein „Eichkätzchen“, wie er sie nennt, die Finger von dem Fall lassen soll.

Natürlich arbeiten sie in der zweiten Hälfte des Romans wieder zusammen, in gewohnter Manier auf eigene Faust gegen alle möglichen Widrigkeiten und Widersacher. Aber diesmal ist der Roman bewusst eine Spur anders als die Vorgänger und ich habe versucht, statt dem üblichen Serienkiller-Motiv, diesmal eine neue überraschende Thematik für die Leser einzubauen. Ich hoffe, die Leser gehen diesen Weg gemeinsam mit Sneijder und mir mit.

Hattest Du beim aktuellen Buch ein Mitspracherecht bei der Covergestaltung? Und wie gefällt es Dir persönlich?
Ich habe theoretisch ein Veto, das ich einlegen kann. War aber bisher nie nötig. Ich finde das schwarz-gelbe Cover mit den beiden Vögeln sehr schön.

Wie lange schreibst Du durchschnittlich an einem Roman? Und wie sieht der Werdegang von der Entstehung der Idee bis zur Veröffentlichung aus?
Ein Jahr Arbeit. Konkret: zwei Monate Entwicklung der Charaktere und der Handlung, ein Monat Recherche, sechs Monate Rohfassung tippen, der Rest ist ein Überarbeiten mit meinem fünfzehn Testlesern, die ich bei jedem Buch um ihre Meinung bitte.

Wie hast Du Dich gefühlt, als Dein erstes Buch veröffentlicht wurde? Wirst Du oft in der Öffentlichkeit erkannt?
Wie du an der Geschichte mit dem Flugzeug siehst, werde ich in der Öffentlichkeit nicht einmal erkannt, wenn ich darauf hinweise, wer ich bin.

Mein erstes Buch „Der fünfte Erzengel“, eine Sammlung mit Horror-Kurzgeschichten, erschien im Jahr 2000 in der Edition Medusenblut in einer Auflage von 200 Stück. Ich war mächtig stolz drauf, meinen Namen auf dem Buchcover zu sehen. Ende August 2017 erscheint das Buch übrigens in einer völlig überarbeiteten Neuauflage, doppelt so dick mit zusätzlichen Storys im Luzifer-Verlag.

Die neue Generation ist das ebook, was hältst Du persönlich davon und wie siehst Du die Entwicklung?
Ich selbst besitze keinen E-Book-Reader, da bin ich old school, ich muss das Buch spüren, fühlen, riechen und das Umblättern hören. Ich mag Sonnenölflecken im Buch im Urlaub, und Kaffeeflecken im Winter. Ich möchte Seiten umknicken und besonders schöne Gedanken mit Bleistift markieren.

Aber der E-Book-Reader hat natürlich seine Vorteile, wenn man drei Wochen auf eine winzige Insel der Malediven fliegt und nicht zwanzig Bücher im Koffer mitschleppen möchte.

© Bild: Fotowerk Aichner
Hast Du Dein Buch jemanden gewidmet? Und wenn ja, wer ist diese Person?
Ich arbeite zurzeit an meinem achtzehnten Buch, und ich habe bisher jedes Buch immer jemandem gewidmet. Es ist das schönste Gefühl, ein Jahr lang darüber nachzudenken, wer das sein könnte. „Todesreigen“ ist dem Neffen meiner Frau gewidmet, der mir vor einem Jahr als Zehnjähriger Löcher in den Bauch gefragt hab, worum es in meinem nächsten Thriller geht.

Diese Widmung musste einfach sein!

Wenn Du die Möglichkeit hättest mit einer verstorbenen Person einen Abend zu verbringen, wen würdest Du gerne treffen und was würdet ihr unternehmen?
Fiktiv: Ich würde gern Asterix und Obelix in ihrem Dorf in Gallien besuchen. Natürlich gemeinsam mit Goscinny und Uderzo.

Real: Ich würde gern mit Ernest Hemingway einen Drink auf seiner Terrasse trinken und ihm dabei unauffällig sein Gewehr verstecken. Ich mag es nicht, wenn gute Autoren Selbstmord begehen. Was hätte dieser Mensch noch alles schreiben können!

Ein paar letzte Worte an Deine Leser:
Sollte ich einmal nicht innerhalb von 48 Stunden eine E-Mail beantworten, dann bin ich vermutlich in einem LKW entführt worden und sitze irgendwo angekettet in einem Keller. Dann geht mich bitte suchen!

Ich zähle auf euch!



© Cover: Goldmann Verlag
(Textquelle: amazon.de)

VORSICHT! KANN SPOILER ENTHALTEN BAND 4!
Nachdem eine Reihe von Kollegen auf brutale Art Selbstmord begangen haben, wird Sabine Nemez – Kommissarin und Ausbilderin beim BKA – misstrauisch. Vieles weist auf eine jahrzehntealte Verschwörung und deren von Rache getriebenes Opfer hin. Sabine bittet ihren ehemaligen Kollegen, den vom Dienst suspendierten Profiler Maarten S. Sneijder, um Hilfe. Doch der verweigert die Zusammenarbeit, mit der dringenden Warnung, die Finger von dem Fall zu lassen. Dann verschwindet Sabine spurlos, und Sneijder greift selbst ein. Womit er nicht nur einem hasserfüllten Mörder in die Quere kommt, sondern auch seinen einstigen Freunden und Kollegen, die alles tun würden, um die Sünden ihrer Vergangenheit endgültig auzulöschen ...

  


Ich bedanke mich bei Andreas Gruber für das ausführliche Interview, was mir sehr viel Spaß bereitet hat und dem


für die Vermittlung. 
 Herzlichen Dank dafür. 


© 2017 Katis-Buecherwelt;
© Cover:Goldmann Verlag;
© Klappentext/Quelle: amazon,de; 
© Autorenbilder: siehe Angaben;
© Gestaltung & Fragen: Katis-Buecherwelt 
©Text-Antworten: Andreas Gruber;
Grafikennutzung: freepik.de/creative_hat

Kommentare:

  1. Danke für das tolle Interview! Ich bin ja ein großer Fan von Andreas Gruber und habe ihn schon 2x getroffen. "Todesreigen" ist wieder grandios! Meine Rezi dazu kannst du schon hier lesen:
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/2017/08/todesreigen-andreas-gruber.html
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina,
      grins .. aber du warst jetzt nicht die Frau im Flugzeug?
      Danke dir für deine Rezension, die werde ich mir gleich mal anschauen.
      Liebe Grüße
      Kati

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    2. Hihi...NEIN! Ich bin doch Fan.....sie hat sich nicht so wirklich danach angehört ;) Bzw. ist sie definitiv kein Buchblogger! Ich hätte schon wie wild fotografiert...
      Liebe Grüße
      Martina

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    3. Ich wahrscheinlich auch .. auch wenn ich Anfangs wohl echt etwas überfordert wäre. Denn es ist schon eine heftige Situation. Du sitzt da und liest ein Buch und der Autor sitzt auf einmal neben dir. Schon krass - aber genial :-)

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  2. Ein sehr sympathischer Mann, was das Interview hier wieder unterstreicht!
    Danke dir, dafür :3

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    1. Sehr gerne. Das Interview ist wirklich toll geworden. Ich musste einige Male sehr laut und lange Lachen :-)

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  3. Ein tolles Interview. Schon eine komische Reaktion der Leserin im Flugzeug, ich hätte mir wenigstens das Buch signieren lassen und um ein Foto gebeten.

    lg, Jutta

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