Samstag, 6. Mai 2017

[INTERVIEW] Im Interview mit Dan Vyleta



© Bild: privat



Name: 
Dan Vyleta
Geburtstag: 15 Juli, Gelsenkirchen
Wohnort: Stratford upon Avon


Ich mag: Jazz; Schokoeis; Buchregale, die sich unter ihren Buechern biegen

Ich mag nicht: Rassisten






Bisherige Veröffentlichungen:
Nicht übersetzt: The Quiet Twin / Der stumme Zwilling; The Crooked Maid

 


1.) Dan stell dich doch bitte kurz meinen Lesern vor.
Als Erstes sag ich am Besten, dass ich ein Migrant bin und gerne durch die Weltgeschichte reise. Von Geburt aus bin ich Deutsch-Tscheche - oder tschechischer Deutscher - und hab schon in Österreich, England, Amerika und Kanada gelebt. So kommt es, dass ich auf Englisch schreibe, eine Sprache, die ich liebe und die in so vielen Variationen existiert, dass sie mir als Schriftsteller unheimlich viele Freiheiten gewährt.

2.) Wie bist Du zum Schreiben gekommen und gab/gibt es noch andere Berufe, die ausgeübt werden/wurden?
Ich bin Professor an der Uni Birmingham, im Fachbereich Anglistik/Creative Writing. Zum Schreiben kam ich, weil ich mir eines Morgens dachte, wenn es Dich interessiert, dann machs einfach. Am Abend hatte ich dann meinen ersten Roman begonnen.

3.) Wenn Du am Schreiben bist, wo tust Du es am liebsten und wie sieht Dein Arbeitsplatz aus?
Im Café oder in der Bibliothek. Skizzen schreibe ich auch gern im Zug oder in der U-Bahn - da kann ich ganze Seiten füllen. Zu Hause fällt mir dann nichts mehr ein.

4.) Wenn Du gerade nicht an einem Buch schreibst, was machst Du gerne in Deiner Freizeit?
Lesen, wandern, kajakfahren, tagträumen. Ich denke immer, wir träumen zu wenig vor uns hin. Aber gerade da kommen die Bücher her.

5.) Wenn Du selbst als Leserin unterwegs bist, welche Bücher liest Du am liebsten und was eher gar nicht?
Ich lese gern queerbeet. Kinderbuch, Science Fiction, Klassiker, Essay. Regeln hab ich bei der Auswahl eigentlich nur eine: Ich lese die erste Seite des Buches. Beim Ende des ersten Absatzes hab ich mich entweder verliebt - oder eben nicht.

6.) Hast Du einen Lieblingsfilm oder ein Film der Dir aus deiner Kindheit gerade spontan einfällt, der gerne gesehen wurde und weshalb?
Die Drei Musketiere mit Michael York und Oliver Reed hab ich als Kind bestimmt hundert Mal gesehen - wir hatten den Film auf Video. Als ich dann später das Buch gelesen habe, kannte ich viele der Dialoge schon und konnte sie mitsprechen. War irgendwie schön.

7.) Wenn Du ein Tier wärst, welches wäre es und weshalb?
Ein Wal. Die Freiheit des Meeres, und dieses tolle Singen, das der Verständigung dient (eigentlich sollten wir uns den ganzen Tag lang ansingen, wäre doch toll). Natürlich hätte ich Angst vor irgendsoeinem blödem Kapitän Ahab mit seiner Harpune...

© Bild: Michael Leonstar
8.) Hast Du ein Idol ? Wenn ja, wer und weshalb?
Es gib Menschen, die ich mag und andere, die ich bewundere. Aber das Wort Idol hat für mich einen schlechten Beigeschmack. Wir tun einem Menschen Unrecht wenn wir ihn oder sie idolisieren.


9.) Gibt es ein Sprichwort, welches Dich durch Dein Leben begleitet?
Ich fand das Leben immer zu kompliziert für Sprichwörter. „Shit happens“?

10.) Gibt es ein Lieblingsreiseziel, wenn ja welches und warum gerade dieses?
Am schönsten ist es doch, wenn man beim Reisen etwas Neues entdeckt: etwas Unerwartetes, welches die Wahrheiten, in denen man es sich gemütlich gemacht hat, in Frage stellt. Zuletzt ging es mir so bei einer Reise nach Nepal.

11.) Gibt es derzeit neue Projekte? Worauf dürfen sich Deine Leser freuen?
Ich schreibe an dem Folgeroman zu Smoke. Arbeitstitel: „Soot“ - also Ruß. Alles andere ist streng geheim.

12.) In welcher Stadt außer Deinem Geburts- und Wohnort, könntest Du es Dir vorstellen zu leben und weshalb?
Ich hab schon an so vielen Orten gewohnt! Ein paar Jahre in einer Holzhütte, hoch in den Bergen wäre toll. Norwegen? Peru? Neuseeland? Südindien? Ich wäre für vieles offen.

13.) Dan, erzähle uns doch etwas über Dein aktuelles Buch. Wie ist die Idee entstanden? Wie sahen die Recherchen dazu aus?
Smoke entspringt einer Passage in Dickens‘ Roman Dombey & Son in der Dickens sich vorstellt, das Laster wäre eine Krankheit, wie die Windpocken und könnte sichtbar gemacht werden. Er spricht von Krankheitskeimen, die sich in einer dunklen Wolke in der Stadt ausbreiten. Smoke folgt dieser Idee: Zorn und Begehren, Eifersucht und Neid entrinnen dem Körper als dunkler Rauch und hinterlassen eine nur schwer zu beseitigende Rußspur. Dazu ist dieser Rauch ansteckend, so dass mein Zorn schnell zu den Deinem wird: was Städte, in denen die Menschen dichtgedrängt leben, besonders gefährlich macht. Der Roman beschreibt eine Welt, in der jene Menschen ein hohes Ansehen genießen, die wortwörtlich eine weiße Weste haben - und die dann, aus der Überzeugung heraus, anständige Menschen zu sein, gerne die Zügel der Macht an sich reißen. In diese Welt stelle ich drei Jugendliche, die - wie es Jugendliche ja gerne tun - damit anfangen, die Regeln, die ihr Leben bestimmen, zu hinterfragen. Das Resultat ist eine wilde Abenteuergeschichte; aber eben auch eine Studie dessen, was Moral eigentlich bedeutet.

14.) Wie lange schreibst Du durchschnittlich an einem Roman? Und wie sieht der Werdegang von der Entstehung der Idee bis zur Veröffentlichung aus?
Kommt drauf an. Ich schreibe so wie ich lese, von vorne nach hinten; immer mit dem Gefühl, dass ich den Roman „suche“; dass ich, wenn ich genau lausche, aus dem Manuskript heraushöre, wohin sich die Geschichte entwickeln will. Das dauert dann mal ein Jahr, mal zwei oder auch drei. Notizbücher sind mir dabei sehr wichtig, in ihnen führe ich meinen Dialog mit dem Manuskript. Manchmal streiten wir auch.

15.) Wie hast Du Dich gefühlt, als Dein erstes Buch veröffentlicht wurde? Wirst Du oft in der Öffentlichkeit erkannt?
Ist natürlich schön. Der Tag, an dem man hört, dass das erste Buch von einem Verlag akzeptiert wurde, ist eigentlich der schönste. Der englische Verlag schickte mir damals ne Flasche Scotch zur Feier, was ich toll fand.

16.) Wie geht Deine Familie damit um, dass Du in den Medien präsent bist?
Manchmal freuen sie sich, manchmal ignorieren sie es. Das schöne am Internet ist, dass man es auch abschalten kann. Zumindest hab ich in meiner Familie mehrere solcher Abschalter.

17.) Die neue Generation ist das ebook, was hältst Du persönlich davon und wie siehst Du die Entwicklung?
Das klassische Buch ist eigentlich eine tolle Technologie. Nicht teuer, kann feucht oder sandig werden, und eben „anfassbar“ - ein Lieblingsbuch erkennt man auch daran, wie es in der Hand liegt, wie die Seiten sich anfühlen, wie sie riechen. Aber natürlich ist das Ebook manchmal praktisch, da klein, d. h. ideal für lange Reisen. Toll ist es auch für Menschen, die gern Grossgedrucktes lesen.

18.) Wenn Du die Möglichkeit hättest mit einer verstorbenen Person einen Abend zu verbringen, wen würdest Du gerne treffen und was würdet ihr unternehmen?
Ich würde gern mit Václav Havel um die Straßen ziehen. Und mit Billy Holiday zu einem Jazzabend gehen. Darf ich Havel dazu mitnehmen? Er fände es bestimmt super.

19.) Ein paar letzte Worte an Deine Leser:
Lasst Euch von Autoren nicht erzählen, wie Ihr ihre Bücher zu lesen oder zu verstehen habt! Sobald das Buch in der eigenen Tasche steckt, gehört es dem Leser.

© Cover: carl`s books Verlag

(Textquelle: amazon.de)

Wie sähe eine Welt aus, in der jede Sünde, jeder dunkle Gedanke sichtbar wäre? Smoke entführt den Leser in ein England vor hundert Jahren, in dem jede Verfehlung mit Rauch bestraft wird, der dem Körper entweicht. Auch Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, werden immer wieder durch Rauch-Attacken gebrandmarkt, wenn sie den strengen Schulregeln nicht genügen. Doch dann finden sie – fast zufällig – heraus, dass die Gesetze des Rauchs längst nicht für alle gelten. Wieso gibt es böse Menschen, die nicht von Ruß befleckt sind? Und welche Rolle spielt der Rauch bei den sozialen und politischen Umbrüchen ihrer Zeit? Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich die Freunde auf eine dramatische Reise voller riskanter Abenteuer und düsterer Intrigen und rufen damit schon bald mächtige Feinde auf den Plan ...

  


Ich bedanke mich bei Dan Vyleta, dass er sich die Zeit für mich und meine Fragen genommen hat und dem carl`s books Team für die Vermittlung. 
 Herzlichen Dank dafür. 

Ich hoffe Euch hat das Interview mit Dan gefallen und wir konnten Euch auf sein neues Buch neugierig machen.
Steht es schon bei Euch im Regal oder auf der Wunschliste?



© 2017 Katis-Buecherwelt;
© Cover: carl`s books Verlag;
© Autorenbilder: Gaby Gerster;
© Gestaltung & Fragen: Katis-Buecherwelt;
© Grafikennutzung London; von Freepic
©Text-Antworten: Dan Vyleta

Kommentare:

  1. Hallo und guten Kati,

    Danke für das interessant geführte Interview. Besonders beeindruckt hat mich dieser Autor durch seine Reisefreudigkeit ...wo der schon überall gelebt und gearbeitet hat.

    Schon toll finde ich.

    Interessant finde ich immer wieder ein Cover, wenn London abgebildet wird. Diese Stadt zieht die Leute wirklich magisch an wie mir scheint......

    Schönen Sonntag....LG..Karin..

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  2. Hallo Kati,

    das ist ein schönes Interview mit Dan Vyleta! Ich habe "Smoke" auch gelesen und fühlte mich am Ende vom Autor nicht mehr so richtig in seinen Gedanken zum Buch mitgenommen. Das war so schade, weil mich die ersten 2/3 so begeistern konnten. Umso mehr freue ich mich darüber, dass er dir verraten hat, dass es zu "Smoke" eine Fortsetzung geben wird! Ich hoffe so sehr,zumindest für mich, dass er damit das -verpatzte- Ende wieder gerade rücken kann! :-D
    Sehr gut gefällt mir auch seine Antwort zu deiner letzten Frage! Das werde ich versuchen mir zu merken.

    Falls du auch Lust auf ein Interview hast, kannst du ja mal bei mir vorbeischauen. Gerade heute ist der erste Teil von Interview mit Stephan M. Rother / Benjamin Monferat online gegangen. Vielleicht hast du ja auch bereits ein Buch von ihm gelesen.

    Ganz liebe Grüße,
    monerl

    PS.: Werde dein Interview auch in meine Kreuzfahrt der Buchblogs reinnehmen, da es mir sehr gut gefallen hat und sich vielleicht auch noch andere darüber freuen werden zu erfahren, dass es zu "Smoke" eine Fortsetzung geben wird. :-)

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  3. Huhu!

    Ein tolles Interview! Gute Fragen, schöne Antworten. :-) Das Buch steht schon auf meiner Wunschliste, weil ich die Idee so wahnsinnig spannend finde. Ich muss zugeben, ich habe schon sehr unterschiedliche Meinungen zu dem Buch gehört, aber ich werde mir bestimmt noch meine eigene Meinung bilden. (Ich habe schon Bücher gelesen, die auf Amazon sogar nur 1 oder 2 Sterne hatten, und wo ich mich nach dem Lesen fragte: Was haben die nur alle? Ist doch ein geniales Buch!)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt! Wie ich sehe, hat auch Mone das Interview in ihre Reiseroute aufgenommen. :-)

    LG,
    Mikka
    mikka@mikkaliest.de

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